„Die Welt im Wandel und mittendrin die Schweiz“
«Die Welt im Wandel und mittendrin die Schweiz», lautete der Titel des jüngsten Events des Club Politique. Zu Gast waren diesmal zwei Diplomaten, die für die Schweiz generell eine wichtige Rolle spielen. Karin Mössenlechner (*1970), Botschafterin des Königreichs der Niederlande, und Markus Potzel (*1965), Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, kennen sich seit längerem und sind mit den von ihnen vertretenen Ländern stark mit unserem Land verbunden – durch die geografische Nähe und als Handelspartner.
Der Einstieg ins Gespräch war launiger Natur. «Wieso haben Sie gestern zusammen Fussball geschaut?», wollte Moderator Dominique Reber wissen. Und die im Hotel Schweizerhof anwesenden Club-Mitglieder erfuhren etwas in keinem Sinne Naheliegendes. Mössenlechner vertritt Kraft ihres Amtes auch das zum niederländischen Königreich gehörende Curaçao, das am Sonntag gegen Deutschland an der WM 1:7 verlor. «Markus hat mich zur Fussball-Übertragung in der deutschen Residenz eingeladen. Ich war die einzige Person im Curaçao-Shirt und das Ehrentor war für mich der magische Moment des Abends», wie Mössenlechner scherzte.
Dann wurde die Themenlage ernster, denn es ging Richtung «10-Millionen-Initiative» und den eidgenössischen Wahlen tags zuvor. In Holland sei diese Abstimmung stark wahrgenommen worden, vor allem auch medial, wie Mössenlechner erzählte. Sie beschrieb die Situation der letzten Tage und Wochen als eigentlichen «Brexit-Moment» für die Schweiz. Doch sei die hiesige Bevölkerung sehr viel besser informiert gewesen als die Briten damals. «Ich denke, die Vorlage war zu radikal, und die Stimmenden waren sich bewusst, dass eine Annahme der Initiative das Wirtschaftswachstum gebremst hätte.»
In die gleiche Kerbe schlug auch Potzel. So gebe es in Deutschland und der Schweiz ähnliche Themen, die die Bevölkerung umtreiben würden: Fast unbezahlbar scheinende Wohnungsmieten und ein Verkehrssystem im Stress-Modus. «Ich fand, die Schweiz hat mit Augenmass und gegen die Isolation abgestimmt.»
Im Hinblick auf eine mögliche zukünftige Annäherung der Schweiz an Europa rühmte Potzel das Wirtschaftspotential der EU. «Allein der Handel zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg ist summenmässig wichtiger als jener zwischen der Schweiz und China. Und die Schweiz liegt im Herzen Europas. Europa ist der grösste Wirtschaftsmarkt der Welt, grösser als die USA.»
Mössenlechner ergänzte mit einem kleinen Seitenhieb auf die USA und Donald Trump, der am selben Abend dem G7-Gipfel in Evian die Aufwartung machte: «Unser Markt basiert auf klaren Regeln. Und wir dürfen uns generell nicht zu klein machen. Europa ist nicht ein Problem, sondern eine Lösung. Zudem haben wir mit der Schweiz einen gemeinsamen Sicherheitsraum.»
Im Hinblick auf die nahe Zukunft versprühten beide Landesvertreter Optimismus: «Wir glauben mit der EU an die Kraft des Völkerrechts, obschon uns zurzeit ein heftiger Gegenwind entgegen bläst und die Zeichen auf Sturm stehen. Doch es wird nicht von Dauer sein, dass einzelne Staaten zeigen, wo es lang geht», sagte Potzel. Und Mössenlechner meinte überzeugt: «Diese Krise wird uns stärker machen und uns wieder näher zusammenbringen.»

