Exklusive Vorabpräsentation des UBS Sorgenbarometers 2025
Montag, 08. Dezember 2025, im Hotel Schweizerhof, Bern
Moderation:
Dominique Reber, Präsident
Auf dem Podium:
Barbara Stahel, Head Governmental Affairs UBS
Cloé Jans, gfs.bern
Norina Frey, Head of Public Affairs, economiesuisse
Eleah Paetsch, GS Jungfreisinnige
Eric Scheidegger, Stellvertretender Direktor, SECO
Raphael Lanz, Stadtpräsident, Stadt Thun
Jon Fanzun, Direktor swico
So früh wie bei diesem Anlass sind nie schon derart viele Clubmember anwesend: Weit vor Beginn des Abends war der Ballsaal des Hotels Schweizerhof beim Steh-Apéro bereits bestens gefüllt. Und um 18.30 Uhr waren freie Stühle rar. Das zum 49. Mal erstellte Sorgenbarometer – seit 2024 von der UBS und nicht mehr von der CS präsentiert und zum nunmehr 30. Mal von gfs.bern erhoben – erzeugt immer wieder allergrösstes Interesse. Seit der Clubgründung vor über zehn Jahren wird es in diesen Reihen am Vorabend der öffentlichen Publikation erstmalig exklusiv vorgestellt, heuer am 8. Dezember.
Ein erste Einschätzung aus Sicht der UBS lieferte Barbara Stahel, Head Governmental Affairs, die als Datenwissenschafterin gemäss eigener Aussage jeweils besonders gespannt auf die Resultate ist. Sie schätzt das Barometer grundsätzlich als eine profunde Grundlage für Diskussionen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Die Ergebnisse der repräsentativen Erhebung bei knapp 2200 Befragten stellte Politikwissenschafterin und Projektleiterin Cloé Jans von gfs.bern vor. Diese Präsentation sei jeweils eines ihrer persönlichen Jahreshighlights. Und die Studie begleite sie über die ganzen zwölf Monate. Bereits die Headline ihres Vortrages lieferte den allgemeinen Tenor der aktuellen Ausgabe: «Die Schweiz in Zeiten internationalen Drucks». Zur Einstimmung zitierte Jans den Titel des im kommenden Frühlings erscheinenden Albums «Krise als Chanson» der Berner Rap-Musiker Lo & Leduc. Lange hätten wir verschiedene Gefahrenherde wie den Energieengpass im Winter 2022/23 oder Währungsschwierigkeiten relativ sicher umschifft. Doch nun sei die Krise offenbar wirklich angekommen und ein Grund-Pessimismus in der Bevölkerung spürbar. Steigende Lebenshaltungskosten, insbesondere im Gesundheitsbereich, die Angst vor geopolitischen Spannungen und ein sinkendes Vertrauen in politische Institutionen prägten die Stimmung.
Zu den konkreten Zahlen: Nummer 1 der Sorgen bleibt mit 45 Prozent Nennungen der Komplex Gesundheit, getrieben von den scheinbar unaufhaltsam steigenden Krankenkassenprämien. Auf den Rängen 2 und 3 folgen Umweltschutz und Klimawandel mit 31 Prozent sowie die Altersvorsorge mit 30 Prozent, auch wenn mit der 13. AHV-Rente hier vordergründig gerade erst ein Zeichen zur Entspannung der Lage gesetzt wurde. Ein Dauerbrenner bleiben auf den Rängen 4 und 5 die beiden Themenfelder «Ausländerinnen und Ausländer/Zuwanderung/
Die Angst vor einer weiteren Verschärfung von geopolitischen Spannungen lässt sich an drei Sorgen besonders gut ablesen: Unsere Beziehung zu Europa springt von Rang 8 auf 6, Donald Trump als US-Präsident macht einen Riesensatz von 41 auf 8 und der nun auch in unserer Wahrnehmung offenbar wieder präsentere Krieg in der Ukraine rückt mit 14 Prozent von Rang 25 auf Rang 10 vor. Die Nahost-Krise bleibt mit neun Prozent deutlich dahinter.
Nahezu vollständig vom Radar verschwunden ist die Arbeitslosigkeit mit sechs Prozent. Weiter abgenommen hat auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik und die staatlichen Institutionen. Die Digitalisierung wird ebenfalls kritisch wahrgenommen. Zwar verwenden 57 Prozent der Befragten KI-Angebote, 41 Prozent sehen ihre Zuverlässigkeit allerdings mit Skepsis.
Auf dem Podium diskutierten unter der Leitung von Moderator Dominique Reber neben Cloé Jans und Barbara Stahel anschliessend auch Norina Frey, Head of Public Affairs von Economiesuisse, Eric Scheidegger, Chefökonom und Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik, der Thuner SVP-Stadtpräsident Raphael Lanz, Jon Fanzun, Geschäftsführer des ICT- und Online-Branchenverbandes Swico, sowie Eleah Paetsch, Generalsekretärin der Jungfreisinnigen. Raphael Lanz gab einen kurzen Einblick in seinen realpolitischen Alltag im Berner Oberland und merkte an, dass es leider oftmals schwierig sei, für die aus seiner Sicht wirklich notwendigen Veränderungen einen genügenden Konsens zu finden. Eric Scheidegger hielt als oberster Ökonom des Landes fest, dass die Schweiz seiner Meinung nach seit der Pandemie gar nie mehr richtig aus dem Krisenmodus gekommen sei. Und auf die finale Frage aus dem Publikum, wo sie den «Patienten Schweiz» bei dieser ernstzunehmenden Situation zuweisen würde, meinte Cloé Jans launig: «Irgendwo zwischen ambulant und stationär. Ich würde sagen, wir bleiben ambulant».

